Musterhausausstellung thüringen

Im September 1971 mietete Bernd Grönwald (1942-1991) das Haus und lebte dort mit seiner Frau und seinen drei Söhnen. Er war Dozent für Architekturtheorie und Geschichte an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, einem Vorgänger der Bauhaus-Universität Weimar. 1980 wurde er Dekan der Architektur und 1986 auch Vizepräsident der Bauakademie der DDR. Die Akademie war eine staatliche Einrichtung, die als zentrale Forschungseinrichtung für Architektur und Bau in der DDR tätig war. Grönwald war auch Funktionär der SED. [14] [16] Holz ist eine nachwachsende Ressource und ein Baustoff mit unübertroffenen ökologischen Tugenden. Es kapselt atmosphärischen Kohlenstoff in langlebigen Gebäudestrukturen, benötigt sehr wenig Energie und Ressourcen für die Verarbeitung und kann oft lokal gewonnen werden. Herkömmliche Gebäudesysteme haben eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien, die oft sehr hohe eingebettete Energiekosten haben und für das Recycling schwer zu trennen sind. Im Gegensatz dazu stützt sich diese Forschung auf traditionelle Tischlerei, und es wurde ein System entwickelt, das ausschließlich auf Holzelementen für strukturelle Verbindungen und luftdichte Gehäuse basiert, Systemschichten minimiert und eine einfache Demontage für das Altrecycling gewährleistet. Darüber hinaus bezieht das Projekt das gesamte Holz aus dem Bundesland Thüringen, wo der Demonstrator gebaut wurde, so dass das Team die verkörperten Energiekosten minimieren kann, die mit dem Transport von Materialien über Transportnetze verbunden sind. Das Bausystem ist als modernes Holzblockhaus gedacht, das mit gestapelten Holzbalken vertikale und horizontale Elemente erzeugt. Während sich das System von der Volksbauweise inspirieren lässt, geht es gleichzeitig auf Probleme ein, die sowohl in historischen als auch in konventionellen Konstruktionssystemen vorkommen, indem traditionelle Tischlertechniken mit fortschrittlicher digitaler Modellierung und hochpräziser Fertigung kombiniert werden. Auch jenseits Weimars hinterließ das Bauhaus Spuren im ganzen Bundesland Thüringen – wie die Kirche in Gelmeroda, die als eines der wichtigsten Motive für Bauhaus-Meister Lyonel Feininger weltberühmt wurde und auf der Titelseite des Programms für das Staatliche Bauhaus in Weimar zu sehen war.

Weitere Spuren sind die von Walter Gropius entworfenen Häuser Auerbach und Zuckerkandl in Jena und nicht zuletzt das von Alfred Arndt in Probstzella fertiggestellte “Haus des Volkes”, dessen gesamte Inneneinrichtung in den Bauhauswerkstätten gefertigt wurde. Auch in Gelmeroda baute Bauhaus-Mitglied Ernst Neufert 1929–1930 sein Wohn- und Ateliergebäude. Was dort als “Neufert Box” bekannt ist, erinnert an seine berühmte “Baulehre” von 1938, die zu einem internationalen Standardtext für Architekturkurse wurde (übersetzt ins Englische als “Architects` Data”). Im April 1938 sah sich Kühn gezwungen, ein Haus an die Deutsche Arbeitsfront (DAF) zu verkaufen, die plante, es abzureißen und eine Adolf-Hitler-Schule auf dem Grundstück zu bauen, doch der Zweite Weltkrieg stoppte diese Pläne. Die DAF vermietete das Haus für die Dauer des Krieges an einen Bundeswehroffizier und seine Familie. Im September 1945 beschlagnahmten die sowjetischen Besatzungstruppen das Haus von der DAF und stellten es unter die Verwaltung der Weimarer Stadtverwaltung, die das Anwesen an Wohnungsmieter vermietete. 1951 wurde es Volkseigenturm im Eigentum der Stadtverwaltung. Bis 1971 lebten dort eine Reihe von Familien und es wurden weitere Veränderungen vorgenommen. [13] Die IBA Thüringen versteht sich als reales Labor für die praktische Erforschung neuer Ideen und Ansätze.

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